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Insekten schützen

Nistmöglichkeiten für Insekten schaffen

Auf dieser Seite finden Sie hilfreiche Tipps und Empfehlungen zur Anlage von Nisthilfen und kleinräumigen Strukturen, um Insekten zu fördern.

Nisthilfen für Insekten

Nisthilfen bieten die Möglichkeit zahlreiche Insektenarten aus nächster Nähe zu beobachten. Wildbienen wie Mauerbienen, Maskenbienen, Pelzbienen und nicht stechende Wespen wie Goldwespen, Grabwespen, Lehmwespen werden regelmäßige Gäste sein. Aber auch verschiedene Marienkäferarten oder Florfliegen sowie andere Insektenarten lassen sich oft beobachten.

<em>Standortbedingungen</em>

Standortbedingungen

Die Nisthilfe sollte möglichst wind- und witterungsgeschützt aufgestellt werden. Wichtig ist eine volle Besonnung (eine Ausrichtung nach Süden ist ideal). Der „Kern“ der Nisthilfe, also das Nistmaterial, sollte mindestens 50 cm über dem Boden angeboten werden.

Bauanleitung und Materialien für Nisthilfen

Überdachung

Das Dach kann durch eine transparente Stegdoppelplatte aus Polycarbonat angefertigt werden (lässt Licht durch und kann daher 30-60 cm überstehen). Regenschutz sollte eine zentrale Eigenschaft Ihrer Nisthilfe sein.

Geeignete und ungeeignete Materialien

Nisthilfen können mit zahlreichen Materialien gebaut werden. Aber Vorsicht – oft werden Materialien verbaut, welche sich nicht eignen. In diesem Bereich finden Sie eine Übersicht über geeignete und ungeeignete Materialien.

Bambusröhren

Die Röhrchen sollten einen Innendurchmesser zwischen 2-10 mm (dabei sollten 3-6 mm überwiegen) haben und eine Länge von 10-20 cm. Damit die Wildbienen die Röhren auch nutzen, müssen sie an einem Ende verschlossen sein (natürliche Wachstumsstruktur nutzen oder mit Watte o.ä. verschließen). Das Mark mit einem geeigneten Bohrer, stärkerem Draht oder schmaler Flaschenbürste (5 mm) ausräumen. Schnittkanten glätten.

Schilfrohr

Ähnlich wie bei Bambus vorgehen, allerdings kann das „Ausräumen“ weggelassen werden (die Wildbienen schaffen es hier allein). Einzelne Röhrchen können zu kleinen Bündeln zusammengeschnürt werden. Vorsicht beim Bearbeiten, da Schilf sehr schnell bricht, am besten geht es mit einer Flex oder scharfen Astschere. Nur intakte Röhrchen verwenden, da ausgefranste oder gebrochene Röhren die Flügel der Wildbienen verletzen können.

Bohrungen in Holz immer quer zur Faser!

Nur Hartholz verwenden, am besten eignet sich abgelagertes, entrindetes Holz von Eiche, Buche, Hainbuche oder Esche (beste Wahl). Das Holz sollte gut durchgetrocknet sein. Niströhren mindestens 5-10 cm tief bohren. Durchmesser der Bohrungen sollten zwischen 2-10 mm liegen, dabei sollte der Anteil an Bohrungen mit Durchmessern von 3-6 mm überwiegen (werden von mehr Arten besiedelt).

Weitere Ausstattungsmöglichkeiten

/Niststeine aus Terracotta sind unter dem Namen „Bienenstein“ kaufbar. /Strangfalzziegel (leider selten zu finden) /Lochziegel (wenn verwendet, dann Öffnungen mit Bambus- und Schilfröhren „auskleiden“, sonst werden sie nicht von Wildbienen angenommen) /Lehm, allerdings immer nur im Gemisch mit Sand o.ä. ( da er sonst zu hart bei Austrocknung wird)

Untaugliche Materialien

Tannenzapfen werden von Insekten nicht als Nistplatz genutzt. Ebenso eignen sich Ziegel ohne Füllung nicht. Sie dienen eher Spinnen als Rückzugsort, die wiederum Jagd auf die Wildbienen machen. Holzwolle lockt Ohrwürmer an, die ebenfalls Wildbienen jagen. Gespaltenes, rissiges Holz: hier können Feuchtigkeit (Schimmelgefahr) und Parasiten leichter zu den Brutkammern vordringen.

Nistplätze für Insekten

Nistplätze von Insekten sind Strukturen, die Sie in Ihrem Garten oder auf Ihrer Agrarfläche mit einfachen Mitteln schaffen können. Der Pflegeaufwand ist vergleichsweise gering und der Effekt stellt sich in der Regel sehr schnell ein. Sie werden beobachten wie sich die Biodiversität in kürzester Zeit erhöhen wird.

<em>Standorte</em>

Standorte

Damit Insekten sich bei Ihnen wohlfühlen, sollten einige Grundbedingungen erfüllt sein. Dann siedeln sie sich schnell an und bleiben für länger. Am besten sind trockene, wind- und witterungsgeschützte Stellen, welche voll besonnt werden. Eine Ausrichtung nach Süden ist also ideal.

Nistplätze im Offenboden für bodennistende Wildbienen

Standortbedingungen und Zeitpunkt für die Anlage

Der Standort sollte frei zugänglich, sonnig, möglichst trocken (Regenwasser kann abfließen), in der Nähe von blühenden Pflanzen, Pestizid- & Dünger-frei und störungsfrei sein. Ideal wäre ein dauerhaftes Bestehen, damit Sie und Ihre Schützlinge langfristig Freude daran haben. Am besten legen Sie Offenböden zwischen Oktober und Februar an.

Erstellung und Pflege

Die Größe sollte 2 m² nicht unterschreiten. Die Grasnarbe muss mindestens 10 cm tief abtragen werden. Ist der Boden zu nährstoffreich, kann er mit Sand "abgemagert" werden. Am besten offene Bodenstelle mit Steinen oder Totholz einfassen, um erneuten Bewuchs zu reduzieren. Besonders im ersten Jahr nach Anlage sehr pflegeintensiv, da der Bewuchs regelmäßig entfernt werden muss, durch vorsichtiges Jäten oder Abflämmen, niemals harken oder chemische Mittel einsetzen.

Abrisskanten sind perfekte Nistplätze für viele Wildbienen

Auch bestehende, offene Bodenstellen, insbesondere an Hängen und Böschungen, können gezielt vom Bewuchs freigehalten werden und so als Nisthabitat reaktiviert werden. An Hängen und Böschungen lassen sich zudem leicht Steilwände herstellen.

Weitere nützliche Links zu dem Thema:

Merkblatt erdnistende Wildbienen (wildbee.ch)

Sandarien

Sandarien

Zwei Drittel aller nestbauenden Wildbienen nisten in der Erde. Viele von ihnen brauchen sandige und trockenen Böden, auf denen sich möglichst wenig Vegetation befindet. So ein Sandarium bietet daher beste Nistplätze. Für den Bau eignet sich ungewaschener Sand oder ein Gemisch aus Sand mit Erde oder Lehm (dabei auf sehr hohen Sandanteil achten).

Stabile Nistgänge

Der verwendete Sand sollte möglichst feinkörnig (ideal 0,06 – 0,4 mm) sein, damit eine gewisse Kompaktheit im Sandarium entstehen kann und die Nistgänge der Wildbienen nicht in sich zusammen fallen.

Aufwertung von Sandarium mit Totholz und Natursteinen

Sandarien können je nach Lust und Laune auch mit anderen Elementen, welche für Wildbienen nützlich sind, erweitert werden und bieten so auch etwas für das menschliche Auge. Es sollten mindestens 3 m³ Material für ein Sandarium verbaut werden. Grundlegend gilt, dass ein Sandarium in mehreren Schichten aufgebaut werden sollte; jede Schicht wird extra verdichtet (festklopfen per Hand, mit Spaten o.Ä.).

Bauanleitung

Mindestens einen „Sandhaufen“ mit einer Höhe von 20 cm aufhäufen (Höhe sollte nach dem Verdichten der einzelnen Schichten erreicht sein). Für ein leichteres Modellieren sollte der Sand leicht feucht sein. Bei ausreichender Höhe kann optional eine Abbruchkante auf der südexponierten Seite des Sandariums erstellt werden; dazu einfach Material mit Spaten o.ä. abstechen.

Pflege des Sandariums

Ähnlich wie beim Offenboden; Sandarien regelmäßig von Bewuchs freihalten (durch z.B. vorsichtiges Herausziehen oder besser durch Abflämmen der oberirdischen Pflanzenteile); ein schütterer Bewuchs, insbesondere bei Vorkommen seltener Wildkräuter, kann zugelassen werden (sollte nicht mehr als 20% der Fläche einnehmen).

Weitere Möglichkeiten Insekten Nistmöglichkeiten anzubieten

Totholz Haufen

Material: sämtliches, anfallendes Totholz, z.B. Hecken- und/oder Baumschnitt Standort: möglichst sonnig Bauanleitung: Große Äste, Stämme und Wurzelstöcke zuerst aufhäufen. Die entstandene Hohlräume können mit kleineren Ästen und ggf. einem Sandgemisch (siehe Sandarien) aufgefüllt werden. Optional: Fundament aus Sand, Kies oder Hackschnitzeln. Bei der Gestaltung kann ganz nach individuellen Wünschen gearbeitet werden.

Lesesteinhaufen

Lesesteinhaufen bieten für Insekten Aufwärm- und Überwinterungsmöglichkeiten, für einige Wildbienen sogar Nistplätze. Als Material sind Natursteine (möglichst aus der Region), im ländlichen Raum: Feldsteine von nahegelegenen Äckern nutzen. Bauanleitung: Suchen Sie einen sonnigen Standort und schütten Sie die Steine auf. Hohlräume ggf. mit Sandgemisch (siehe Sandarien) füllen. Optional: Boden 0,4 – 1 m tief ausheben und entstandene Mulde mit Sand-Kies-Gemisch auffüllen.

Die einfachste Variante der Anlage eines Lesesteinhaufens…einfach schütten

Bei langgezogenen Lesesteinhaufen die Längsseite nach Süden ausrichten. Es hilft auch schon bestehende Trockensteinmauern zu erhalten. Auch hier gilt wie bei allen Insektenhilfen: regelmäßiges Freihalten von zu starkem Bewuchs, um eine unerwünschte Beschattung zu verhindern.